Apollon Trivia: knutsch mich!

Wieder ein alter Artikel von mir… ganz kurz aber (für mich) wichtig. Und wenn wir schon bei Beltane sind, dachte ich mir, ich krame ihn mal wieder raus.

Apollon Philesios… das bedeutet ungefähr so viel wie „der küssende Apollon“ oder „der liebende Apollon“. Es ist eine Seite des Musagetes, des Musenführers, der Apollon ja bekanntlich ist.

Wir kennen in unserer Sprache den Ausdruck „von der Muse geküsst werden“ und meinen damit, dass wir einen plötzlichen Schub an Inspiration oder Kreativität erleben. Allerdings war diese Vorstellung in der Antike keineswegs üblich bzw. wir haben heute keinen Nachweis darüber, dass es so war. Es hieß zwar hie und da, die Musen würden den Menschen Gedanken einhauchen, doch das ist nicht unbedingt das gleiche wie ein Kuss. Doch von Apollon wissen wir explizit, dass Er (einen) Menschen geküsst hat.

Denn erst ein Kuss von Ihm machte den jungen Branchos in Didyma zu einem Propheten, obwohl der vorher recht unbegabt war. Durch die Wirkung dieses Kusses fing der Hirte plötzlich zu prophezeien an und erlangte eine gewisse lokale Berühmtheit. Daher gab es im Tempel in Didyma ein Gebäude mit dem Namen „Philesia“, was so viel bedeutet wie „Haus des Küssens“, in dem Apollon und Branchos gemeinsam verehrt wurden.

Ich finde, das ist eine kaum bekannte aber wundervolle Seite von Apollon, die man durchaus mal in Erwägung ziehen kann, wenn man gedanklich feststeckt. Allerdings kann so ein Kuss vom Chef persönlich mehr anrichten als nur neue zu Ideen bringen, dessen sollte man sich bewusst sein.

Wer mehr über Apollons Kuss erfahren möchte, kann das in diesem schönen Artikel von Thomas Köves-Zulauf tun. Er ist 2004 in den“ Würzburger Jahrbücher für die Altertumswissenschaft“ erschienen.

Jarle III

Es ist eigentlich noch viel zu früh für dieses Gedicht. Eher würde ich es bei Litha einordnen und nicht bei Beltane aber ich poste es trotzdem mal. Weil mein alter Kram wieder an die Luft muss.

Jarle III

Du goldenes Schimmern, mein Liebster,
du wildes Glimmen über den Feldern,
im heiligen Reigen aus Lein und Gerste.
Ich rufe Dich in mein Haus.

Weich und süß ist der Duft Deiner Umarmung.
Oh Schönster unter den Unsterblichen.
Mit blutigen Schritten befruchtest Du die Nacht zum neuen Tag.
Ich rufe Dich in mein Haus.

Machtvoller, weiser König des Sommers.
Erhelle mein schweres Herz mit dem Klang Deiner Saiten,
die Du virtuos wie keiner sonst zu spielen weißt.
Ich rufe Dich in mein Haus.

Edelster, himmelblau ist Dein Blick,
und wolkenweich Deine Hand auf meiner Stirn,
wenn Dein Segen alle Wesen und mich durchfluten.
Ich rufe Dich in mein Haus.

Liebesworte und Zauberschwüre bindest Du mir
in einen Kranz aus Klatschmohn und Lorbeer.
Legst ihn mir an die Brust bis ich die Sichel hebe.
Ich rufe Dich in mein Haus zurück.

Kreativität, Entwicklung, Musen und Lehrer

Normalerweise arbeite ich nicht mit der Energie von Beltane. Es ist das Jahreskreisfest, zu dem ich am allerwenigsten Bezug habe und bei dem ich auch immer irgendwie eine automatische Art von Abwehrhaltung einnehme. Für viele geht es dabei um Sexualität und Fruchtbarkeit und diese Themen interessieren mich beide nur bedingt. Durch die aktuellen Umstände in meinem Leben bekomme ich aber einen neuen Blick darauf.
Beltane ist sehr viel mehr als nur ein Fruchtbarkeitsfest. Es ist Impuls und Nach-Außen-Streben, hinaus treten. Kreation und Kreativität, auch in Bezug auf das eigene Schicksal, auf Wachstum in allen Bereichen. Jetzt ist es mir möglich den Raum zu schaffen für all die Manifestationen, die eine feste Gestalt wünschen. Ausdruck, nach all der Zeit des Eindrucks und Aufnehmens.

Ich hing lange in einem schmerzhaften Zustand fest, den man am ehesten wohl mit einer geistigen oder gedanklichen Schwangerschaft vergleichen kann. Ich „ging schwanger“ mit tausend Wegen, tausend Variationen des Möglichen, völlig orientierungslos und ohne rechte Erdung. Aber jetzt habe ich wieder eine Perspektive zu meiner eigenen Kraft und die mir zur Verfügung stehenden Entwicklungsfelder sowie Ressourcen. Ich habe lediglich den gedanklichen Austausch und Anstoß durch ein Gegenüber gebraucht, dem ich erlauben konnte mich mit seinen Ideen und Idealen zu berühren. Das war es, das mir gefehlt hat und das ich mir gewünscht habe: eine Komplementärfarbe in den regenbogenglitzernden Fäden des Wyrd.

Ja. Meine Muse hat mich inspiriert. Dass er das tun würde wusste ich in dem Moment als ich ihn sah. Aber inzwischen denke ich auch, dass es weniger mit ihm als Person zu tun hat und mehr mit meiner inneren Bereitschaft mich berühren zu lassen und öffnen zu wollen. Mir fehlte nur ein Impuls dazu. Überschätzt daher meine „Hin-Gabe“ oder meine Idealisierung ihm gegenüber nicht zu sehr. Seine Floskeln, die in meinen Augen eine höfliche Form von billiger, hochmütiger Oberflächlichkeit sind, haben mich auf den Boden zurück geholt. Und leider ist das etwas das ich in sehr vielen „Gurus“ finde und das mich auch immer wieder ent-täuscht zurück schrecken lässt.
Ich habe einen Spiegel gefunden. Einen wundervollen, denn vieles was er tut trifft mich – ich muss mir eingestehen, dass ich manche Dinge auch so tue. Im Schatten, in unbedachten Momenten.
Aber genau SO will ich niemals sein.

Ja, Hochmut ist leider auch ziemlich apollinisch. Meine Muse ist jetzt unabsichtlich auf vielen Ebenen mein Lehrer geworden, ganz anders als ich es mir ausgemalt habe, doch ziemlich wirkungsvoll. Auf technischer Ebene bewundere ich ihn aufrichtig. Da wo er ist will ich auch hin, und noch weiter. Und ich will ein Netzwerk und die offene Selbstverständlichkeit mich darin zu bewegen. Aber ich will nicht meinen Bezug zur Aufgabe selbst derart vergessen, dass ich einer wildfremden Person, von der ich praktisch rein gar nichts weiß, sage: „Du bist auserwählt, ich sehe dich! Buch meinen Kurs, dann können wir ganz viel voneinander lernen und Freunde werden.“

Ich gebe euch heute ausdrücklich die Erlaubnis: sollte ich jemals so werden, dann dürft ihr mich lynchen. Bitte!!
Für mich hat das etwas mit Würde, Respekt und Liebe zu tun.
Das Lernen endet nie und alles fließt.

Und jetzt noch eines meiner Lieblingslieder:

Blüten der Erinnerung

In den Blüten der Erinnerung
warst Du ein Stern
der Knospen weiter trug und weiter
bis zum Horizont des Seins.
Und doch, Deine Farben waren die schönsten.
Unverblasst, niemals sterbend.
Wie sie durch die Nebel tanzten,
unberührbar wild.
Ich spürte die Wogen Deiner Liebe,
warm wie ein goldenes Meer.
Und Deine Hand, mein Bruder,
Deine Hand trug mich bis zum Tod.
Oder einer Art davon.
Vielleicht kann ich nun,
da alles vorbei ist,
einen Weg in Deine Seele finden.
Oder ist es erst der Anfang
von Welten die ich nicht begreifen muss?
Denn Zwielicht und
gesprenkelte Schatten auf Deinem Mund
verführen mich zum Bleiben.
Du nimmst Dir mein Ich wie Dir beliebt.
Nimmst alles was ich hab.
Und gibst so viel zurück,
dass ich es nicht mehr tragen kann.
Bin überwältigt von dem was Du Kuss nennst.
Bin leer gekratzt von dem Gefühl
in Dich zu tauchen,
in Dir schwimmen zu können
und doch so übervoll mit Dir,
dass Du mir aus den Augen kriechst.

Bäume, die tanzen

Manchmal, an ganz wilden Tagen, da tanzen die Bäume. Sie schaukeln fröhlich mit ihren Armen und Köpfen zu einer für mich unhörbaren Melodie, in einem Rhythmus der mir durch die Knochen rauscht, ganz ohne Widerstand. Zaubermusik ist das, Elfenmusik. Und die wollte ich immer verstehen. Ich Süßgrastochter, ich will solche Spiele durchschauen. Ihr nicht?
Als ich dann einmal auf dem Heimweg eine knorrige, alte Kastanie bat mir das näher zu erläutern, da schüttelte sie nur ihr blättriges Gesicht und kicherte heiser, kitzelte das Innere meiner Ohren mit ihrer moosverklebten Stimme.
Ja, ich bin wahnsinnig. Ich sehe die Bäume tanzen und die Geister auf den Rücken der Stadttauben reiten, festgekrallt mit kleinen Händchen in seidenweichem Gefieder. Huuiiiiii an mir vorbei, ganz dicht, ganz nah über meine Schulter gesaust. Und einer wirft mir einen Luftkuss zu und lacht. Ein anderer rollt die Augen ob meinem Schreck, als wäre das nicht ganz normal…
Und manchmal, wie heute, finde ich glimmend-purpurne Blüten im Beton, zwischen Plastikflaschen und Zigarettenstummeln. Oder Hühnerknochen die Glück bringen sollen.
So ist das eben.
Ich weiß nicht warum.