Worte aus dem Exil #2 – vom Warten

Mein Motto und Ziel für diese Woche lautet „Nicht mehr warten!“
Mir ist auf einschneidende Weise klar geworden, dass ich warte. Zwar ist es mir selbst ein Rätsel vorauf genau ich warte und warum ich es tue aber allem Anschein nach mache ich es schon sehr lange.
Warten. Sehnsüchtig. Verwirrt. Müde. Wütend.
Kennt ihr das Gefühl wenn ihr euch mit einem guten Freund treffen wollt und er oder sie verspätet sich unangekündigt? Keine Nachricht, nichts. Nach zwanzig Minuten, nach dreißig Minuten ist er immer noch nicht da. Ihr wisst nicht warum und pendelt zwischen Wut und Sorge hin und her. An irgend einem Punkt gebt ihr auf und geht wieder heim oder macht die geplante Aktivität alleine.

Ich fühle mich seit Jahren so als würde ich auf diesen einen Freund warten. Ich weiß nicht ob er mich eiskalt versetzt hat oder aus anderen Gründen aufgehalten wurde, ob ihm was passiert ist, ob er nur verschlafen, sich verlaufen oder mich einfach vergessen hat.
Dieser „Freund“ ist natürlich kein realer Mensch. Dieser Freund… das sind die wundersamen Umstände, die ich mir immer für „DEN richtigen Moment“ erhofft habe.
Dieser ominöse richtige Moment um mein Leben zu verändern, es endlich aktiv zu gestalten und die Person zu sein, die ich sein kann. Ich habe diesen Prozess oft von anderen Menschen und meiner finanziellen Situation oder den generellen Umständen, ja sogar von meinen emotionalen Befindlichkeiten abhängig gemacht.

Doch ich habe nun den Punkt erreicht an dem ich einfach alleine mein Ding durchziehe. Es ist mir inzwischen egal ob der „Freund“ noch auftaucht oder ob er vom Zug überfahren wurde. Ich habe aufgehört an ihn zu glauben. Das Warten hat mich zermürbt und an meinen Nerven gezerrt. Es reicht! Das klingt ein bisschen trotzig und wütend, ich weiß.
Es gibt da so ein paar pseudoweise Sprüche über das Thema „Warten“. Und es mag für manche Dinge tatsächlich zutreffen, dass es notwendig ist den rechten Moment abzupassen. Aber das generelle Warten… das Verharren in Sehnsucht und Untätigkeit, das ist einfach nur ein grausamer Zustand. Man lähmt sich damit, man beraubt sich seiner Leidenschaft und seiner Lebenszeit.

Bekäme ich für jede Minute, die ich auf die Zu-Stimmung, Zu-Neigung und Zu-Wendung von jemandem gewartet habe, einen Euro, scheiße ich wäre sowas von reich!
Wenn es um meine Liebe und Leidenschaft zu etwas geht, werde ich nie wieder auf jemanden warten. Das ist hart und vielleicht kalt. Aber es ist notwendig. Denn du kannst das Leben nicht festhalten.

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