Das Spiel – Teil I: Regen

Working Soundtrack: KLICK

Das ist der erste Teil dieser Kurzgeschichte. Die zweite Hälfte ist 18+Content, bei dem ich mir noch nicht ganz sicher bin ob und wie ich ihn veröffentlichen werde. Vielleicht werde ich den zweiten Teil mit einem Passwort versehen. In der Story geht es um BDSM, Rapegames, Hetzjagden und so Kram, wobei das hier erstmal harmlos ist.
Wer ein Problem mit den genannten Themen hat (oder auch damit Fiktion und Realität auseinander zu halten), der liest das jetzt einfach nicht, okay?  Ich habe gewarnt.

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Das Spiel – Teil I: Regen

Ich bin ein bisschen nervös, warte während ich laufe. Warte und werfe manchmal einen Blick über die Schulter. Bin ich wirklich noch alleine? Der peitschende Regen und die Dunkelheit verschleiern jede Sicht. Als ich die Entscheidung traf zu gehen, glaubte ich zu wissen worauf ich mich einlasse. Doch jetzt kommen die Zweifel. Noch keine wirkliche Angst, nein. Vielleicht eine Vorahnung. Vielleicht auch nur die übliche Paranoia die man so hat, wenn man als Frau irgendwo nachts alleine unterwegs ist. Ich bin eigentlich niemand der sich leicht fürchtet. Und das ist wahrscheinlich mein Problem. Es bringt mich dazu, dumme Dinge zu tun.

Heute ist nicht das erste Mal, dass ich die letzte Straßenbahn verpasst habe und auch nicht das erste Mal, dass ich das hier mache. Nur das Wetter, das habe ich nicht erwartet. Der Platzregen flutet die dunklen Straßen und große Tropfen schlagen Blasen in weitläufige Pfützen. Obwohl die Stadt am Nachmittag noch unter einer schwülen, staubigen Dunstglocke hing, ist die Luft jetzt merklich abgekühlt. Der Stoff meines Kleides klebt mir aufdringlich an den Beinen, während ich beim Gehen den Lichtkegeln auf dem glitzernden Asphalt folge. Ich bin bereits bis auf die Haut durchnässt und mir steht ein beachtlicher Fußweg bevor. Aber so lange ich mich bewege friere ich wenigstens nicht.

„Hey, warte!“
Eine junge, offensichtlich männliche Stimme reißt mich aus meinen Überlegungen.
Endlich! Fast bin ich erleichtert. Ich hasse es belauert zu werden. Das Gurgeln des Wassers tritt schlagartig in den Hintergrund und alle Gedanken werden mit dem Regen weggespült. Mein Puls beschleunigt. Im selben Moment setzt auch schon dieses andere, heiße, rauschhafte Gefühl ein, holt mich ganz ins Jetzt und Hier. Ich spüre wie es von der Mitte meines Körpers wie eine glitzernde Welle in jede Faser Fleisch prickelt.

Als ich mich umdrehe, durchbohren mich seine Augen. Nasse Strähnen fallen ihm wie dunkles Kupfer ins Gesicht. Er trägt eine zerrissene Jeans und die Kapuze seiner schwarzen Regenjacke verbirgt sein Gesicht halb. Trotzdem erkenne ich ihn sofort. Und wundere mich: er? Folgt er mir schon seit der Haltestelle? Wirklich er? Ich möchte lachen, ich kann nicht fassen, dass er es sein wird. Meine Lippen verziehen sich unwillkürlich zu einem schiefen Lächeln und im selben Moment bereue ich es schon, denn er lächelt zurück, genauso flüchtig, während wir uns gegenseitig mustern.

Ehrlich gesagt kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wann wir uns das erste Mal begegnet sind. Es muss schon lange her sein, vielleicht sogar Jahre. Sein Anblick war mir irgendwann derart vertraut, dass es mir eher auffiel, wenn er fehlte und weniger, wenn er da war. Ich mochte es ihn zu beobachten. Meistens saß er auf demselben Platz, rechts in der Mitte am Fenster, mittlerer Wagon. Während ich immer die linke Seite eine Sitzreihe hinter ihm nahm. Sein Profil war mir vertraut und manchmal musterte ich ihn eine Weile, während er in einem Buch blätterte oder auf seinem Tablet las. In Nächten in denen er müde seine Stirn an das Fensterglas legte und zu dösen schien, mochte ich ihn am liebsten. Dann folgten meine Augen der Linie seines Kiefers hinab zum Kinn, zurück zum Ohr, verfingen sich in seinem Haar und ab da war es schwer für mich wieder davon loszukommen.

Ich erinnere mich daran wie sein Haar einmal nass war vom Regen, so wie jetzt gerade auch. Wir standen beide an der Haltestelle und warteten. Sein dunkles Hemd war durchweicht, mein Kleid auch und unsere Blicke trafen sich sehr kurz, streiften sich mehr. Ich lächelte ihn an, er senkte scheu den Blick. Das war alles was es an Annäherung je zwischen uns gegeben hat. ‚Hey, warte‘ sind die ersten Worte, die ich aus seinem Mund höre. Hey. Warte. Ich klammere mich an sie und an meine Umhängetasche, vergesse schon wieder ihren Klang, wie ein Echo das in mir verebbt. Jetzt scheint er nicht mehr so scheu, nein. Seine Lippen: nervös aufeinandergepresst. Uns trennen vielleicht zwei Meter.

Ein paar Straßen weiter schlägt ein Blitz in eine Oberlandleitung. Erst blendet das grelle Weiß im Augenwinkel, ein gezacktes Aufflammen, und ich schrecke unwillkürlich zusammen. Reflexhaft halte ich mir die Ohren zu, während sich unsere Blicke ostwärts richten, der Quelle zu. Dann folgt ohrenbetäubender Donner und wälzt über uns hinweg. Kurz habe ich das Gefühl, meine Knie könnten jeden Moment versagen, ein heftiges, heißes Zittern in der Magengrube. Doch als ich ausatme ist alles an mir zum Angriff gespannt. Meine Augen kehren zu ihm zurück und ich sehe die schöne Linie seines Unterkiefers. Ohne Zweifel, er ist es.

Als das Rumoren langsam abebbt, sieht auch er mich wieder an, entschlossen diesmal. Er macht ein paar Schritte und verringert die Distanz zwischen uns auf einen knappen Meter. Ich gehe rückwärts, meine Augen wollen ihn nicht loslassen. Er könnte mich jetzt mit Leichtigkeit erreichen, tut es aber nicht, bleibt stehen, wartet aufmerksam ab. Stattdessen funkelt mir das kalte Metall einer Klinge entgegen.
„Ich hoffe, ich konnte dich überraschen.“ sagt er leiser. In der Ferne wieder Donner.
„Ja…“ gebe ich zu. „Du bist DarkFire?“ Wirres Rauschen um uns. Ein Windstoß peitscht mir das Wasser diagonal in die Seite.
Er lächelt kalt. „Ja.“
Ich lächle zurück. Genauso kalt und gewillt alles zu tun, um ihm die Sache so schwer wie möglich zu machen. Meine Muskeln sind gespannt, ich bin bereit.
„Das ist unerwartet.“
„Deine Geschichten haben mir immer sehr gefallen.“
„Wirklich? Werden sie dir gerecht?“
„Das wirst du gleich sehen.“ Sein zufriedener Blick scannt die Umgebung und dann mich. Ich mache einen weiteren Schritt rückwärts, er einen auf mich zu. Seine rechte Hand hält gespannt das Messer, auf eine Art die mir zeigt, dass er damit Erfahrung hat. Kein ängstlicher Anfänger. Damit hätte ich rechnen müssen. Ich habe es auch… auf gewisse Weise. Aber… nicht mit ihm und das bringt mich ein wenig aus dem Konzept.

Ich fand es immer schön ihm dabei zuzusehen wie er sich mit dieser Hand durchs Haar strich, eine langsame und gedankenverlorene Geste, ausgeführt mit schmalen Fingern, oft gefolgt von einem Griff in die Seiten seines Buches oder einem leisen Räuspern. Er ist nicht die Art von Mann, die ich als offensichtlich attraktiv bezeichnen würde. Eher enigmatisch, mit seinen kühlen, hellen Augen und der sehr eleganten Kleidung, die er normalerweise immer trägt. Das zog mich an, das hielt mich über die letzten Monate hinweg in seinem Bann. So sehr, dass ich irgendwann in meinem Blog über ihn schreiben musste. Erotische, dunkle Geschichten waren das, Fantasien, die ich normalerweise nicht laut aussprechen würde. Und jetzt sind wir hier, er und ich im Strömen der Nacht. Mein Schritt rückwärts. Sein Schritt auf mich zu, bereit die Nähe zu halten.

„Lass uns spielen.“
Suchend werfe ich nun ebenfalls einen Blick um mich. Wir sind weit und breit allein, das eröffnet Möglichkeiten. Wie gut kennt er sich hier aus? Besser als ich vielleicht?
„Was möchtest du spielen?“
„Du rennst. Ich gebe dir einen Vorsprung. Wenn ich dich einhole, wenn ich dich finde, dann gehörst du mir. Genauso wie in deiner Geschichte.“
„Und wenn du es nicht schaffst?“
„Dann überlebst du. Vielleicht. Aber ich glaube, das willst du gar nicht, stimmt‘s?“
Wieder sein kaltes Lächeln. Bei der Vorstellung pulst mir eine Welle Erregung zwischen die Beine.
Er macht einen letzten großen Schritt auf mich zu und packt mich grob am Hals. Nasse Haut an Haut, glitschig und fremd. Seine Lippen sinken an meinem Ohr und flüstern mir etwas zu, ein Geheimnis zwischen ihm und mir. Der warme Atem verpasst mir eine heftige Gänsehaut und zwischen Regen und Wind brandet mir sein Geruch weich entgegen wie eine Liebkosung. Ich sauge ihn tief ein und fühle mich nachgiebig unter der Berührung.
Ein fragendes Zögern, leise: „Ist das okay?“
Ich versuche zu nicken und er stößt mich wieder von sich. Sein harter Griff hallt laut in mir nach.
„Gut. Dann beweg dich! Die Zeit läuft.“
Das Wort, das er mir zugeflüstert hat, versuche ich nun in Gedanken zu wiederholen, vielfach wie ein Mantra. Es ist das Machtvollste in dieser ganzen Nacht und vielleicht auch noch darüber hinaus, wir werden sehen. Der Regen gibt mir dabei das Gefühl zu schwimmen. Es ist schwer in dieser Feuchtigkeit zu atmen. Aber seine Nähe ist noch viel heftiger, weil unerwartet und berauschend.
Unsere Blicke treffen sich erneut und ich öffne den Mund um etwas zu erwidern. Die Verlockung jetzt einfach stehen zu bleiben, hier bei ihm, ist so unglaublich groß. Bei jedem anderen wäre ich längst weg. Aber auf gewisse Weise bringt er mich völlig durcheinander. Er und dieses scheiß Wetter.

Als er mein Zögern bemerkt, deutet er demonstrativ auf sein Handgelenk. Zeit…
Ich drehe mich um und sprinte los.

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