the strange things I like: Joseph Beuys

Lass Dich fallen. Lerne Schlangen zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemand Gefährlichen zum Tee ein.
Mache kleine Zeichen, die „ja“ sagen
und verteile sie überall in Deinem Haus.
Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue Dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen,
schaukle so hoch Du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht.
Pflege verschiedene Stimmungen,
verweigere Dich, „verantwortlich zu sein“ – tu es aus Liebe!
Mache eine Menge Nickerchen.
Gib Geld weiter. Mach es jetzt. Das Geld wird folgen.
Glaube an Zauberei, lache eine Menge.
Bade im Mondschein.
Träume wilde, phantasievolle Träume.
Zeichne auf die Wände.
Lies jeden Tag.
Stell Dir vor, Du wärst verzaubert.
Kichere mit Kindern. Höre alten Leuten zu.
Öffne Dich. Tauche ein. Sei frei. Preise Dich selbst.
Lass die Angst fallen, spiele mit allem.
Unterhalte das Kind in Dir. Du bist unschuldig.
Baue eine Burg aus Decken. Werde nass. Umarme Bäume.
Schreibe Liebesbriefe.
– Joseph Beuys

In Karlsruhe, im ZKM, gab es mal eine Ausstellung über ihn, die ich sehr beeindruckend fand. Immer wenn er mir in den Sinn kommt denke ich: Noch bevor ich allzu viel über ihn wusste, konnte ich intuitiv den spirituellen, schamanistischen Background darin wahrnehmen. Er vertrat u.a die radikale Auffassung, dass jeder ein Künstler sein kann und revolutionierte damit den Kunstbegriff an sich. Aber er pflanzte auch Bäume… 7000 Eichen um genau zu sein.
Meine Mutter ist ebenfalls Künstlerin. Und wenn sie was hasst, dann ist das Beuys. Er hat aber immer schon stark polarisiert. Ihrer Meinung nach ist das was er gemacht hat keine „Kunst“.

Wie ist das bei euch?
Wie definiert IHR Kunst?
Was muss Kunst leisten um Kunst/Können/Craft/Art/Kreation zu sein?
Da bin ich jetzt sehr neugierig drauf.
Schreibt mir!

Das Foto, das ich als Beitragsbild verwendet habe, wurde als Poster für die von dem New Yorker Galeristen Ronald Feldman organisierte US-Vortragstournee Energy Plan for the Western Man von 1974 verwendet. Der Urheber ist laut Wikipedia Roland Feldman.

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13 Kommentare zu „the strange things I like: Joseph Beuys“

  1. Uii spannend und wunderbare Worte. Wie definiere ich Craft/Kunst? Vielleicht…dem was in mir ist einen AUSdruck zu geben. Da werden die Grenzen weich..(Cambra Skade schrieb darin in ‚Kunst Magie Heilen) ..Kunst /Craft kann alles werden..Sei es auf Leinwand, im Text oder Fotografie. Fotografie und Schreiben sind meine Kanäle dafür. Mit Beuys werde ich mich auseinander setzten 🙂

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      1. Ja und KMH ist finde ich ihr bestes Buch. Eben weil sie nichts diktiert wie es zu sein hat (Alles schön säuberlich getrennt) sondern das es viel bringen kann wenndie Bereiche wieder eins werden (Kunsttherapie als Beispiel, wilde Altäre,Percussionmusik etc ) 🙂

        Gefällt 1 Person

      2. Nebensächlich …da wären wir ja wieder in den Schubladen. Nur weil etwas technisch nicht perfekt ist hat es keinen Wert? Mir ist die Idee dahinter wichtiger. Kunst ist etwas intimes und ja magisches. Da halt ich es wie Beuys das alle Kümstler sind ,doch nur wenige Mut haben sich zu trauen.

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  2. Mir persönlich bedeutet der Begriff Kunst nichts. Nach vielen Gesprächen über das Thema, Diskussionen um seine Bedeutungen und mögliche Definitionen, bleibt aus meiner Sichts nichts substantielles, dass diesen Ausdruck nötig sein lässt. Kunst lässt sich ja nichtmal annähernd trennscharf von dem abgrenzen, was dann möglicherweise eben keine Kunst ist. Wozu ist eine solche Betitelung dann gut, außer um etwas gegenüber anderem zu erhöhen, es herauszuheben aus der Masse, aus welchen Motiven auch immer?
    Mir liegt eher am Tun an sich. An Eindrücken und dem Vermitteln dieser Eindrücke durch Ausdrucksformen. Manche dieser Ausdrucksformen geben oder sagen mir etwas, andere weniger. Etiketten mit einem Prädikat klebe ich normalerweise nicht auf die materialisierten Erscheinungen dieser Ausdrucksformen. Allerdings hinterlassen diese Eindrücke bei mir, die ich wiederum selbst ausdrücke. Das Wort „Kunst“ ist mir dabei zu nichtssagend, um meinen Gedanken und Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Sollte es mir doch mal rausrutschen, was passieren kann, da ich ein inkonsequenter, spontaner Mensch bin, werde ich darüber hinaus andere Dinge zu sagen haben, von denen mir jedes einzelne wichtiger ist als jenes eine Wort.
    Auf der anderen Seite weiß ich um die Kategorisierungsbedürftigkeit der menschlichen Gesellschaft und es stört mich auch nicht, wenn aus diesem Drang heraus Etiketten verteilt werden. Ich muss den Beschriftungen auf diesen ja keine Beachtung oder Glauben schenken. 😀
    Liebe Grüße,
    Jo 🙂

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  3. Super Text vom Beuys, hab ich auch irnzwo rumfliegen.

    Bei uns daheim war immer viel Kunst, meine Eltern hatten auch mal kurzzeitig ne Galerie. Mein Vater hat mir als Kind Kunst so definiert: „Kunst ist völlig zwecklos“. Alles andere hat er bisschen verächtlich als Kunsthandwerk abgetan. Ich seh das ganz anders.
    definieren kann ich Kunst nur sehr grob damit, dass jemand um welche zu machen, mit dem Herzen dabei sein muss. Es gibt viele, die sehr begabt sind und technisch versiert und doch nur leere Deko herstellen. Andere MÜSSEN etwas schaffen, weils aus ihnen rauswill. Es gibt ein tiefes Anliegen oder einen Drang.
    Das überträgt sich aufs Kunstwerk, das technisch dann vielleicht gar nicht so toll ist. Als Vergleich z.B. in der Musik: Dead Moon vs. wasweißich, Modern Talking.

    das is KUNST =)

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      1. Kunst ist für mich auch jeden fall mehr als nur irgendein Bild an der Wand, fast alles was Menschen erschaffen kann Kunst sein. Jede Idee kann Kunst für denjenigen sein, der die Idee bewundert, weil er geistig (noch?) nicht dazu in der Lage war den Weg zu gehen oder zu finden. Jeder sieht woanders Kunst und die meisten sehen darin Kunst, was sie bewundern oder besonders schön und erstrebenswert finden. Die meisten sagen zu einem schönen Bild: das ist Kunst! Und zu einem schlechten Bild: eigentlich ist das keine Kunst, das hätte ich auch gekonnt! Alles was ich bewundere und erstrebenswert finde und von einem Menschen geschaffen wurde, kann deswegen in meinen Augen auch Kunst sein.

        Gefällt 1 Person

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