Slow July

Ahhhhhh Leute, das wird jetzt ein Plauder-Beitrag.
Ich würde sehr gerne mehr mit euch teilen als nur Gedichte und ein paar Songs. Wirklich.
Gleichzeitig kann ich mich nicht dazu aufraffen (hier) mehr zu schreiben. Mir geht massig viel im Kopf rum und nicht unbedingt Sorgen oder Negatives. Aber irgendwie… hm… alles hat sich verändert und ich kann nicht abschätzen was davon geteilt und veröffentlicht werden will. Dabei sind ja gerade die gewagten Dinge spannend, nicht? Bei den kontroversen Dingen trennt sich die Spreu vom Weizen und echte oder unerwartete Resonanz kann entstehen.

Es passiert einiges in meinem Leben. Fühlt sich an als hätte man mir einen Schubs mitten ins Leben gegeben. Bisher habe ich mich da ja ganz gut davon fern gehalten. Vom Leben. Es ist als wäre ein bestimmter Lebensabschnitt abgeschlossen, der aus viel Heilungsarbeit und Schadensbegrenzung bestand. Ich fühle mich deutlich stabiler als früher und bin besser in der Lage Gefühle zu regulieren, auch wenn kleine emotionale Abstürze immer noch vorkommen. Ich sehe es mittlerweile so: Drama ist das Salz in der Suppe. Ein bisschen ist prima! Zu viel davon ist nicht gut.

Ich akzeptiere und umarme mich in meiner emotionalen Sensitivität und Empathiefähigkeit, auch wenn ich weiß, dass mir beides in der Vergangenheit schon zum Feind geworden ist. Meine größte Schwäche ist auch gleichzeitig meine größte Stärke. Ich habe festgestellt, dass ich manches kann, was andere Leute nicht so gut können. Zum Beispiel Menschen anhand ihrer Körpersprache, ihrer Mimik und ihrem generellen Verhalten schnell richtig einzuschätzen. Nicht unbedingt total paranoid aufs Negative bezogen. Meine Prognosen darüber wie manche Leute sich verhalten werden, sind ganz passabel. Ich erwische und durchschaue bei meiner Arbeit z.B. auch Diebe ganz gut. Da habe ich eine herausragende Quote, obwohl ich nur wenig Kundenkontakt habe, während alle anderen anscheinend überhaupt nichts mitkriegen. Und ich observiere ja gar nicht, ich bin nur aufmerksam. Ich habe sehr starke Antennen für „verdächtiges“ Verhalten, das ist nun mal eine Begleiterscheinung von Borderline. Inzwischen nutze ich sie aktiv. Es macht mir Spaß andere Menschen zu beobachten, ich liebe Verhaltenspsychologie und Körpersprache. Das ist super aufregend.

Von den Borderline-Kriterien, von denen ich früher fast alle über Jahre erfüllt habe, erfülle ich nur noch gelegentlich das mit der inneren Leere und das mit der instabilen Identität. Ich bezweifle, dass ich jemals eine wirklich feste Identitätsstruktur haben werde, doch ich behelfe mir, indem ich mich auf all das konzentriere, das stet an mir ist, Interessen, moralische Haltungen und Weltsichten die bleiben. Ich konzentriere mich auf meinen Kern, der sich mir auf gewisse Weise als „sicher“/gesichert offenbart hat. Außerdem habe ich gute, konstruktive Strategien gefunden damit umzugehen, wenn es doch mal chaotisch wird. Wenn alles andere sich drum herum wandelt… who cares? Sehen wir es als expressionistischen Ausdruck einer exzentrischen aber harmlosen Persönlichkeit. Das ist okay.

Die Vorstellung 20 Jahre lang gleich zu sein gruselt mich eh. Aber hey, ich kenn so Leute… die haben seit vielen Jahren die gleiche Frisur, essen die selben Dinge, befassen sich mit den immer gleichen Themen. Not my cup of tea. Und das ist okay.
Ich bin kein wild gewordener Kreisel aus Schmerz und Dunkelheit mehr, das ist das Wichtigste.
Meine Spiritualität ist meine Copingstrategie. Dessen bin ich mir bewusst. Und seit ich das bin, nutze ich sie sehr aktiv um mich selbst zu heilen. Und es funktioniert.

Eine Begleiterscheinung meiner neuen Beziehung zu Jove und Juno sind eine Neuorientierung hin zum Leben selbst. Der erste Monat, der Juni (der Monat der Göttin Juno) war schon mal sehr lehrreich. Ich habe auf diversen Ebenen Geschenke und Erfahrungen bekommen, für die ich SEHR dankbar bin. Ich möchte den kommenden Juli dafür nutzen das zu vertiefen.

Ich rufe ihn für mich persönlich zum Slow July aus, zu einem Monat des bewussten Müßiggangs und der Verlangsamung auf allen Ebenen. Ich möchte mich so bewusst, offen und achtsam wie möglich auf alles einlassen, das mir begegnet. Ich möchte lernen die Rhythmen und Prozesse hinter den Dingen zu durchschauen und ich will verstehen lernen was die Bäume mir zuflüstern.
Nein, ich habe keinen Urlaub, ich möchte das im Alltag umsetzen, darin liegt ja die Herausforderung. Ich bin eh schon lange auf dem Weg in so eine Richtung, doch jetzt habe ich auch die richtige Rückendeckung dazu. Weg von einem Streben nach Veredelung und Perfektion, hin zu einer tiefen Sinnlichkeit.

Wir werden sehen. Ich werde versuchen ein bisschen mehr und regelmäßiger über diese Dinge zu schreiben. Hoffen wir, dass ich mich dazu aufraffen kann. Es stehen viele Veränderungen in meinem Leben an, eventuell müssen wir erneut umziehen (ich fühle mich schon wie eine Nomadin), das heißt aber auch, ich habe eine weitere Gelegenheit für die Sichtung meines Besitzes und für eine Verkleinerung diesbezüglich. Das begrüße ich.

Ich habe Vertrauen in mein Schicksal, in mich selbst und in meine Fähigkeiten. Und ich versuche mich von jeglichem Gefühl des Mangels zu lösen, denn mein ganzes Leben ist übervoll mit Geschenken, jeden Tag, jede Minute, für die ich unendlich dankbar bin.
Es ist alles eine Frage der Perspektive.

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5 Kommentare zu „Slow July“

  1. ..ich bezweifle, dass ich jemals eine wirklich feste Idenditätsstruktur habe…dieser Satz ließ mich gerade aufhorchen,..denn dies sagt exakt das aus, was ich mein Leben lang fühlte, doch niemand konnte mir..“helfen“^^- nicht das sich Hilfe gebraucht hätte (zu dieser Aussage jetzt), aber Antworten wären zeitweise ein Hit gewesen..hmm, werde mich wohl zu diesem Thema nun ein wenig intensiver befassen…Danke für den Anstoß. – Auch das Beobachten anderer Menschen, wenn ich iwo warten muss, fasziniert mich immer wieder aufs Neue- denke, dass ich sie auf Grund ihres Verhaltens, Gestik etc auch sehr gut einschätzen kann, ausser: es betrifft mich selbst. Also, wenn ich mit anderen Menschen persönlich zu tun habe, brauche ich immer ein Weilchen, bis ich checke was Sache ist..Dir alles Liebe und falls ein neuer Umzug anstehen sollte- Stillstand ist Rückschritt- Alles, alles Liebe- Herta

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